„Lust verkürzt den Weg“ – ChArt

 

 

 

 

 

 

 

ChArt ist ein Projekt des Caritasverbandes, des Kunsthauses und der Nibelungen­schule Worms. Es steht für 'Chance' und 'Art'. In zwei 10-tätigen Projektphasen im April und Mai 2010 konnten Jugendliche ab 14 Jahren mit Malerei, Text und Wort, Fotografie, Stahlarbeiten und textilem Gestalten experimentieren und sich ausdrücken. Am 5. September wurde die Ausstellung ihrer Werke im Kunsthaus Worms eröffnet. Und ALLE finden: Es hat sich gelohnt!

„Lust verkürzt den Weg.“ Shakespeare's Worte haben es Esra Bebek angetan - so sehr, dass sie sie zu einem Kupferdruck anregten: Ein schelmisch verschmitztes Gesicht, ein leuchtend grüner Baum und der Satz des alten Meisters. Ein Bild, das einem das Herz wärmt! Dazu befragt, bleibt die junge Frau zwar eher schüchtern - aber wozu auch mehr Worte? Das Bild zeigt doch schon so viel von ihr!

Lässig und stolz steht Sergen Dogan und Murat Ergün neben der 'Wächterin', einer Skulptur, die in der Stahlwerkstatt in den Kellerräumen der Nibelungenschule geschweißt und gehämmert wurde. So was liegt ihnen – keine Frage! Vielleicht auch für die Zukunft. Sergen hat schon früher in der Türkei als Metallbauer gearbeitet.

Entstanden ist die Figur in der Zeit des Brandanschlags auf die Wormser Synagoge. Das hat sichtbare Spuren hinterlassen. Die Wächterin vereint Kälte und Härte des Metalls, Hitze und Krafteinsatz bei seiner Bearbeitung, Transparenz und Verletzlichkeit. Sie lässt an eine Rüstung denken, ebenso wie an menschliche Organe und Gefäße. Jeder Blick wird auf etwas anderes gelenkt. Steht man ganz dicht davor, sieht man eingravierte Worte: Respekt, Achtsamkeit... Ein geeigneter öffentlicher Ort wird für sie zu finden sein. Vielleicht, so der Oberbürgermeister Michael Kissel, zwischen Synagoge und Nibelungenschule, die nur wenige hundert Meter voneinander entfernt liegen.

Semiya Kiamil-Oglou und Zumbraz Impraim-Oglou hat es die Fotografie angetan: Es macht ihnen Freude, sich gegenseitig humorvoll und glamourös abzulichten und dabei, wie Ute Neumann sagt, auch versteckte Seiten sichtbar werden zu lassen.... Und wer weiß – vielleicht wäre ja Fotografie auch ein Berufsweg, wenn es mit der geplanten Frisörlehre nicht klappt?

Und dann sind da die beschrifteten und bebilderten Jacken aus der Textilwerkstatt; die Augen auf Daniel Schärfs Portrait „Lebensgefühl für Frida Kahlo“; Murat Ergüns anrührende Tuschzeichnung vom „Durchdringenden Engel im Freitagsgebet“ und Titel wie „Fußball verboten“ oder „In jedem Menschen steckt Freude und Traurigkeit“. Und und und... Bei jedem Werk wächst die Neugierde auf die jungen Künstler.

Filiz Gülbenim: „Ich finde es toll, dass wir zeigen können, was in uns steckt!“

Es ist bunt, lebendig und manchmal auch laut an diesem Septembersonntag im Wormser Kunsthaus. Passend zur Jahreszeit geht es um Ernte – und die fällt reich aus: Die Ausstellung, die an diesem Morgen eröffnet wird, zeigt Werkstücke, die 18 junge Künstler, Schülerinnen und Schüler der Wormser Nibelungenschule, unter  fachlicher Anleitung von Horst Rettig (Projektleitung und Malerei), Ute Neumann (Fotografie und Wort), Uli Spiro (Textilwerkstatt), Renate Huthoff (Kupferdruck) Und Joachim Harbut (Stahlwerkstatt) erarbeitet haben. Kunstwerke, die zeigen, was sie bewegt, beschäftigt und motiviert, was sie sehen oder im Alltag erleben.

Als Besucher weiß man kaum, wo man zuerst hinschauen soll - und den jungen Künstlern stehen Freude, Aufregung und Überraschung ins Gesicht geschrieben angesichts der Fülle und Vielfalt ihrer Werke. Doch zunächst gibt es Trommelwirbel der Gruppe 'Hot Stix' und Begrüßungsworte voller Freude, Berührung und Stolz von Oberbürgermeister Michael Kissel, Caritasdirektor Georg Diederich, Fachbereichsleiter Georg Bruckmeir, Projektleiterin Nicole Bach, dem künstlerischem Leiter Horst Rettig und der Schuldirektorin Margit Zobetz.

Sie sprechen über die Beweggründe für das Projekt: „Eigentlich“, so OB Kissel, „beginnen wir doch alle als Künstler und werden nur durch das Fernsehen entwöhnt.“ Kunst ermögliche neue Erfahrungen und Sichtweisen, lehre soziale Kompetenz und relevante Werte und wecke das Potential von Menschen.

Georg Diederich: „Wir alle müssen als Gesellschaft unsere Hausaufgaben machen... keiner darf verloren gehen!“

Deswegen würden solche Projekte dringend gebraucht – auch und gerade an einer Hauptschule. Denn, so Georg Diederich, keiner dürfe verloren gehen! Dies sei eine Herausforderung an die gesamte Gesellschaft.

Ein zentrales Thema der Eingangsworte war Selbstwertgefühl: Standen am Anfang Zweifel bei vielen im Vordergrund - „Das schaffe ich nie... das sieht ja furchtbar aus...“, so seien gegen Ende der gemeinsamen Zeit, so Ute Spiro, die Ideen und die Energie nur so gesprudelt und sie seien kaum zu bremsen gewesen.

Die gewachsene Wertschätzung für die eigene Arbeit und die Tatsache, durchgehalten zu haben – jeder Arbeitstag der zwei Projektphasen dauerte von 7:40 bis 17:00 Uhr, denn nach dem Unterricht und dem gemeinsamen Mittagessen ging es in die Werkstätten - werde sicher auch ganz praktische Konsequenzen für die berufliche Zukunft der jungen Leute haben: Bei Bewerbungen werde man dies an Ausbildungsplätzen zu schätzen wissen. Ebenso, wie die Künstler betonten, die großen handwerklichen und technischen Leistungen: Tiefdruck mit Kupfer und die Arbeit mit Stahl etwa seien auch körperlich anstrengende Arbeiten, die viel Ausdauer verlangten. Und Durststrecken habe es natürlich auch gegeben – aber sie seien eben gemeistert worden.

Schuldirektorin Margit Zobetz:„So viel wie möglich möglich machen!“

Und immer wieder geht es um Chancen und Möglichkeiten, die jungen Leuten allzu oft fehlen. „So viel wie möglich möglich machen,“ sei deshalb das Motto ihrer Schule. Und dafür nimmt Margit Zobetz gerne in Kauf, ihre Kollegen davon zu überzeugen, dass es auch 'mal vier Wochen Wichtigeres gibt als Hausaufgaben und Klassenarbeiten. Sehr froh sei sie über solche Angebote von außen – und sie werde immer ihr Möglichstes tun, sie zu nutzen und so den Kontakt zwischen Schule und Umwelt zu halten.

Ja. Dieses Projekt hat große pädagogische und soziale Bedeutung.

Und dann ist da noch etwas anderes. Die jungen Leute haben etwas von sich  gezeigt. Sie haben Ihre Energie und Lebensfreude, ihre Lebendigkeit und ihre Fragen zum Ausdruck gebracht. Auf diese Weise haben sie uns allen etwas Großartiges geschenkt.

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