Tor Woisetschläger

„Altes mit Neuem verbinden“ - Rheinhessische Kunst im nordhessischen Wehren

„Wir ziehen nach Fritzlar!“

„Was? Wo ist dass denn?“

„In Nordhessen, südlich von Kassel.“

„Aha, ganz schön weit im Norden.“

„Ja. Und wir brauchen ein Hoftor. Wir dachten daran, dass das aus der alten Heimat kommt… und dass du uns es baust.“ [kurze Pause – Schweigen]

„OK, das machen wir. Und wir nehmen das Alte im Neuen auf.“

So in etwa verlief das erste Gespräch der neuen Besitzer eines Bauernhofes in Fritzlar-Wehren, Jana und Michael Woisetschläger, mit ihrem Freund, dem Künstler Joachim Harbut   aus Armsheim bei Alzey, der weit über Rheinhessens Grenzen hinaus bekannt ist für seine außergewöhnlichen Metallkompositionen. Als passionierte Pferdeliebhaber suchte das Ehepaar schon seit Längerem ein zur Pferdehaltung geeignetes Objekt und war hocherfreut, in Fritzlar fündig zu werden und auch beruflich Fuß fassen zu können.

Zu der traditionellen Architektur des 1785 gebauten Fachwerkhofes mit seiner 1870 entstandenen im Fachwerk/Ziegel ausgeführten imposanten Scheune sollte ein modern-transparentes Hoftor Akzente setzen. Joachim Harbut fertigte unter anderem aus gesammelten und ehemals benutzten Gegenständen des bäuerlichen Alltags ein Gesamtkunstwerk, das vom aufmerksamen Betrachter in vielen kleinen Einzelkunstwerken getrennt aufgenommen werden kann. Einzelne Bestandteile entstanden im Rahmen von Jugendprojekten noch in Rheinhessen. Als Highlights in die Struktur wurden etwa 25 Glasobjekte der Villinger Künstlerin Simone Fezer, ebenfalls eine Freundin der Familie, eingefügt, die farbige Transparenz und Leichtigkeit in die filigrane Struktur des Tores einbringen. „Das Spannende an einer Komposition wie dieser ist, dass jedes Teilstück seine eigene Geschichte erzählen und wiederum in einer eigenen Weise vom Betrachter gedeutet werden kann“, erzählt Harbut.

   

     

Am 14. und 15. Dezember war es dann soweit: Nach einem abenteuerlichen Transport des insgesamt 6,90 Meter breiten Tores durch die Winterlandschaft begann mit Unterstützung von Kelvin Lopez aus Hannoversch Münden die Montage, die durch die Konzeption als Flügeltor und die verwendeten Materialien besondere Aufmerksamkeit erforderte. Traktorradkappen, Huffeilen, umgearbeitete und zweckentfremdete Kummetringe oder Trensen, Teile landwirtschaftlicher Maschinen und feuergeschweißter Zugketten sind üblicherweise nicht in einem Hoftor zu finden, im Wehrener Objekt aber auch nicht auf den ersten Blick zu erkennen. „Wir wollten mit diesem Tor Ankommen in der neuen Heimat mit der eigenen Geschichte verbinden und Joachim hat dieses Anliegen durch das Einarbeiten verschiedenster Gegenstände aus unserem privaten vorherigen Umfeld und Dingen hier vom Hof perfekt umgesetzt“, so Jana Joisten-Woisetschläger. Bereits bei den ersten Arbeiten kamen Kommentare von interessierten Nachbarn, die das ungewöhnliche Objekt durchweg positiv beurteilten. „Das ist einmal ganz was anderes“, war der Tenor und manch einem entwich spontan ein „das ist ja fast wie auf der Documenta in Kassel“.

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