„Die Wächterin“ Kunstprojekt mit Jugendlichen

Schutz und offene Türen - ein Kunstwerk findet seinen Platz.

VON: PATRICIA MANGELSDORFF

Rechtzeitig vor der feierlichen Einweihung des Um- und Neubaus am 16. September fand die 'Wächterin' ihren Platz im liebevoll gestalteten Innenhof des Senioren- und Pflegezentrums Burkhardhaus. Entstanden ist die Stahlskulptur im Frühjahr 2010 im Projekt ChArt ('Chance' und 'Art') des Caritasverbandes, des Kunsthauses und der Nibelungenschule Worms, in dem Jugendliche ab 14 Jahren mit verschiedenen Medien und Materialien experimentierten. Nun steht sie inmitten des Zentrums mit seinen vielfältigen ambulanten und stationären Angeboten. „Ihren Blick richtet sie auf diejenigen, die“, so Fachbereichsleiterin Sabine Locht, „die größte Obhut brauchen: die Bewohnerinnen und Bewohner des stationären Bereiches.“ Nein, in einem Seniorenheim war er noch nie. Aber dazu hatte der 15jährige Murad Ergün auch noch nie Anlass. Bis vor kurzem waren seine eigenen Großeltern noch Teil seines Alltags hier in Worms. Nun sind sie zurück in die Türkei gegangen und leben dort bei anderen Familienangehörigen. Heute, am 23. September, ist er stolz, hier zu sein. Und dazu hat er auch allen Anlass. Schließlich hat er an insgesamt 20 Nachmittagen tatkräftig gemeinsam mit anderen Jugendlichen und dem Künstler Joachim Harbut an der Wächterin mitgearbeitet. Ideengeber für das ChArt Projekt war der Wormser Künstler Horst Rettig, der auch die Grundform der Wächterin entwickelte. Entstanden sind in diesem Projekt zahlreiche beeindruckende Kunstwerke in den Bereichen Malerei, Textil, Fotografie, Text und Wort – und eben Stahl. Die Wächterin forderte von ihren Schöpfern nicht nur besonders viel körperlichen Einsatz beim Schweißen und Hämmern. In ihr, so erinnern sich Murad und Joachim Harbut, wurde auch der Brandanschlag auf die Wormser Synagoge im Frühjahr 2010 verarbeitet. '17.5.2010. Es brennt wegen Hass und Dummheit', ist auf ihr eingraviert, und auch 'Wahrheit ist Freiheit ist Frieden' oder 'Respekt' und 'Achtsamkeit'. So wacht die Skulptur in besonderem Maße über Werte des Burkhardhauses: Toleranz und ein respektvolles Miteinander. Und sie schützt. Caritasdirektor Georg Diederich: „Gerade am Lebensende brauchen viele von uns in ganz besonderem Maße andere, die über sie und ihr Wohlergehen wachen.“ Aber es ist kein Schutz, der abschottet. Die Wächterin ist aus Stahl, wirkt aber nicht kalt. Ihr Rost steht nicht nur für Vergänglichkeit, er gibt ihr auch eine warme Farbe. Sie lässt zwar an eine Rüstung denken, aber ebenso an menschliche Organe und Gefäße. Sie ist kein monolithischer Block, sondern transparent und durchlässig. Und all das ist ebenso elementar für diesen Ort, wie Schutz und Obhut. Das Burkhardhaus, so wurde es bei der Einweihung immer wieder gesagt, soll ein Ort offener Türen sein. Wie passend, dass mit den Werken des ChArt Projektes hier die Arbeit junger Menschen Einzug hält. Denn nicht nur die Wächterin, auch ein großes mehrteiliges Bild wird hier demnächst seinen Platz finden. An einem von ihnen hat Feliz Gülbenin, die heute auch hier ist, mitgearbeitet. Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit. Das wissen wir von Karl Valentin. Und alle, die an diesem Morgen hier im Innenhof versammelt sind – auch Schulrektorin Margit Zobetz, Caritas-Fachbereichsleiter Georg Bruckmeir als Projektverantwortlicher, die Künstlerin Ute Neumann, im Projekt Leiterin der Bereiche Fotografie und Wort und die Lehrerin Anette Saxer - wissen, dass sie auch viel möglich machen kann. Und noch viel mehr könnte. Denn was hätten die allermeisten Jugendlichen der Nibelungenschule sonst mit den Bewohnern des Burkhardhauses zu tun? „Wär' doch cool, mit den Omas und Opas hier zu chillen,“ meint Murad. Und Sabine Locht findet die Idee gut, denn schließlich würden viele der Seniorinnen und Senioren hier gerne lernen, wie sie mit ihren Enkeln twittern oder skypen – und Murad, Feliz und ihre Mitschüler sind da sicher sehr kompetent. Mit dem Chillen, so Murad, gibt es allerdings ein Problem. „Sie wissen ja, wir jungen Leute haben echt wenig Zeit.“ Aber einen festen Vorsatz hat er, trotz seines vollen Kalenders: er wird seiner Familie stolz die Wächterin zeigen. Und natürlich auch seinen Kumpels, die daran mitgearbeitet haben. Wie gut, dass der Innenhof des Burkhardhauses immer zugänglich ist.

 

 

 

 

 

 

 

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PDF downlaod Zeitungsbericht: Blick auf die, die Obhut brauchen

 

 

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